Ermittlungsverfahren

Der Beschuldigte muss nicht zwangsläufig wissen, dass gegen ihn ermittelt wird. Die Staatsanwaltschaft als Ermittlungsbehörde ist nicht verpflichtet, den Beschuldigten förmlich über den Beginn ihrer Ermittlungen zu informieren. In den meisten Fällen ist es jedoch absehbar, dass sich die Polizei mit einer Ladung zur Beschuldigtenvernehmung melden wird.
Die Durchsuchung der Wohn- und Geschäftsräume, die vorläufige Festnahme oder vermögensabschöpfende Maßnahmen treffen den Beschuldigten allerdings unabhängig von der Kenntnis von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen immer überraschend.
Der Verteidiger sollte im Ermittlungsverfahren so früh wie möglich kontaktiert werden. Umfassende Einsicht in die Ermittlungsakte kann nur über den Verteidiger erfolgen. Die Aufklärung über die prozessualen Rechte bereits im Ermittlungsverfahren erhöht die Chancen einer erfolgreichen Verteidigung in der eventuell anschließenden Hauptverhandlung. Dies gilt insbesondere für die Frage, ob der Beschuldigte von seinem Recht zur Aussagefreiheit Gebrauch machen sollte.
In geeigneten Fällen lässt sich durch Verhandlungen mit der Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens wegen geringer Schuld (§ 153 StPO) oder gegen Geldauflage (§ 153 a StPO) erreichen.
Stellt die Staatsanwaltschaft das Verfahren nicht ein, so beantragt sie den Erlass eines Strafbefehls oder erhebt Anklage.

Mit Erhebung der Anklage ändert sich die Bezeichnung des Beschuldigten. Bis zur Eröffnung des Hauptverfahrens gilt er nun als Angeschuldigter.

Zwischenverfahren

Nach Eingang der Anklage entscheidet das Gericht über die  Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens bzw. über den Erlass des Strafbefehls. Auch in dieser Entscheidungsphase ist eine effektive Verteidigung durch Beweisanträge oder die Vorbereitung einer Absprache im Strafprozess möglich und erfolgreich.

Mit Eröffnung des Hauptverfahrens wird der Angeschuldigte als Angeklagter bezeichnet.

Hauptverfahren

Nach der Eröffnung des Hauptverfahrens kann es je nach Belastung des zuständigen Richters noch Wochen oder gar Monate dauern, bis ein Termin zur Hauptverhandlung bestimmt wird. Je nach Umfang des Verfahrens können sich an den ersten Termin weitere (Fortsetzungs-)Termine anschließen.

Die Hauptverhandlung stellt für jeden Angeklagten eine erhebliche psychische Belastung dar.

Die prozessualen Möglichkeiten eines Verteidigers in der Hauptverhandlung sind erheblich.

Das Hauptverfahren lebt von der Wehrhaftigkeit des Verteidigers, seinem präsenten Wissen und seiner Erfahrung.

Unabhängig von der Einleitung eines Disziplinarverfahrens kann die strafrechtliche Sanktion entscheidend für den Fortbestand der beruflichen Existenz sein. Dies betrifft neben den oben genannten Berufsgruppen insbesondere all diejenigen Berufe, deren Ausübung an verwaltungsrechtliche Erlaubnisse gekoppelt ist.

Rechtsmittelverfahren

Ist das erstinstanzliche Urteil gesprochen, kann sich das Rechtsmittelverfahren in der nächsten Instanz anschließen.

Der Rechtsweg führt bei erstinstanzlichen Urteilen des Amtsgerichts über die Berufung zum Landgericht, von dort über die Revision zum Oberlandesgericht. Es besteht auch die Möglichkeit der sogenannten Sprungrevision direkt zum Oberlandesgericht.

Der Rechtsweg nach einem erstinstanzlichen Urteil des Landgerichts beinhaltet lediglich die Revision zum Bundesgerichtshof. Trotz des Umstandes, dass die erstinstanzlich vor dem Landgericht verhandelten Tatvorwürfe einen höheren Schuldgehalt aufweisen als ein noch vor dem Amtsgericht zu verhandelnder Sachverhalt, ist der ordentliche Rechtsweg für die gemeinhin als schwerer anzusehenden Delikte kürzer.

Nach Abschluss der ersten Instanz berate Sie eingehend über die Erfolgsaussichten und die rein tatsächlichen Konsequenzen der Einlegung eines Rechtsmittels. Die Revision gegen Urteile des Landgerichts bedarf dabei einer besonders sorgfältigen Aufarbeitung des Urteils und des Protokolls der Hauptverhandlung.